Visionen für 2030

Die neue Energie in deiner Nachbarschaft

2030 – klimafreundlich, menschenfreundlich, solar

Lasst uns gemeinsam Visionen entwickeln und uns auf den Weg dorthin begeben. Alle sind eingeladen: NachbarInnen, Neugierige, MitorganisatorInnen, IdeengeberInnen, Helfende Hände, Websitespezis, Initiativen und Institutionen und und und... alle, die mit uns die Vision teilen:

Berlin 2030: klimafreundlich, menschenfreundlich, postfossil.

Wenn du dich beteiligen willst: komm zum Grünen Dienstag
oder schreib eine Mail  an: SO36[at]TTFK-Berlin.de



 

Utopisch. Praktisch. Gut.

Reichenberger Kiez 2030

von Rahel 

 

Heute waren wir wieder ernten beim kommunalen Landwirtschaftsprojekt Reichenberger Kiez – Schorfheide. Gut, dass am Bahnhof Lastenfahrräder bereitstehen, sonst hätten wir gar nicht gewusst, wie wegkommen mit unseren Riesentaschen, vollgestopft mit leckerem Gemüse!

Gleich hol ich vom Kiezbrotofen noch schnell ein paar leckere Brote! Dann noch Kräuter vom Stadtacker im Görlitzer Park, und zum Nachtisch Eingewecktes aus dem Gemeinschaftskeller. Da hat der Hausküchendienst reichlich fürs Abendessen heute. Wenn wieder Freunde aus dem Nachbarblock kommen, reicht es für die auch noch mit.

Mit dem Lastenrad bring ich noch die alten Stühle ins Materiallager an der Arena, Philip tischlert selbst daraus noch was Schickes. Wir hatten eh zu viele Stühle – alte Masche von früher, den privaten Keller zuzustellen mit Überflüssigem…

Das Rad stell ich am besten bei der überdachten Mobilitätsstelle am Café Edelweiß ab, denn manchmal sind die alten Bambusfahrräder an den Nahtstellen nicht wasserdicht – Thomas und sein Team haben jetzt eine neue Konstruktion entwickelt, die super aussieht und enorme Lasten transportieren kann! Und das mit nur zwei Pedalisten… Die Bambusplantage bei Oranienburg hat schon wieder neue Flächen erhalten, weil die Nachfrage stetig wächst.

Bei dem schweren Sturm gestern Nacht sind ein paar Kollektoren von der Bürgersolaranlage auf der Niederlausitzgrundschule runtergekommen – da muss Esra wohl heut noch ran und die Lücken wieder füllen. Die Solaranlage auf dem Kotti ist zum Glück heil geblieben…. 

 


 
 

Vision 2030

von Lorenz, 5.1.2010
 
Sara hat gesagt, dass sie weiß wo es Eis gibt.
Ich meine, richtiges Eis.
Vanille, Zitrone und Kiwi.
Sogar Kiwi, sagt Sara.
Die Lieferung soll zwischen elf und halb zwölf kommen, aber sie werden es nicht vorneheraus verkaufen, weil die Schlange dann länger wäre, als der Weg von hier in die Reichenberger.
Ich habe gesagt, ich gehe nicht und bin sitzengeblieben.
Als Sara und Lucca los sind, habe ich ihnen "viel Glück" gewünscht, warum auch nicht.
Es ist ihre Entscheidung und sie sind noch jung.

 
Ich sitze auf dem braunen Sofa und versuche, mir alle Eissorten und -Mengen, die ich jemals in meinem Leben gegessen habe auf einmal in diesem Raum vorzustellen.
Bis 2025 war das kein Problem, danach gab es Eisersatz und ab und zu auf einem der illegalen Feste eine Portion Schokolade.
Ich sehe Tonnen von Eiskugeln in meinem Zimmer.
Ich bin nicht nachtragend.
Ich will nicht wehleidig sein.
Ich habe mein Eis schon gegessen.
Ich bin auch nicht traurig.
Es ist eben so, dass ich schon viel Eis gegessen habe.

 
Es gibt so vieles, dass sie nicht mehr kennen.
Mit Lucca haben wir sogar noch Flugreisen gemacht, stell dir vor, und ich wollte über den CO2-Rechner bei Atmosfair einen Betrag spenden, aber habe ich nicht (warum?) und jetzt ist es zu spät dafür, denke ich. Es gibt so vieles, was besser ist, als damals, ich kenne und grüße meine Nachbarn, wir essen zusammen und reden.
Vor allem das Reden habe ich damals sehr vermisst und wenn ich in ihre Gesichter schaue, sehe ich trotz allem Glück und, ja irgendwie Zukunft. 
Sie haben wieder eine Perspektive, selbst wenn es kein Eis mehr gibt und keine Bananen. 
Bela hat mich gefragt, ob ich mir den Chip einsetzen lassen will, wegen der Lebenserwartung, er weiß, wo er welche kriegt.
Weil er weiß, dass ich - wie die meisten in meinem Alter - jeder technischen Neuerung mißtrauisch gegenüber stehe, hat er gesagt, dass es eine einmalige Chance wäre.
Dieser Chip hat mindestens zehn Jahre mehr drin, hat er gesagt.
Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheide.

 
Draußen wird es dunkel.
Die beiden sind noch nicht zurück und der Notspeicher springt an.
Zeit, die Suppe für alle aufzustellen und in den geheizten Gruppenraum zu gehen.
Seit einer Woche bin ich 64.
Vor zwanzig Jahren habe ich bei einem Treffen der transition town- Initiative einen Text darüber geschrieben, wie ich mir das Leben 2030 vorstelle.
Ich weiß gar nicht, wo die Blätter sind (wir haben mit der Hand geschrieben!), aber bestimmt lag ich deutlich daneben.
Die große Ölknappheit ist nicht für alle gekommen.
Den chinesischen Bürgerkrieg konnte ich nicht vorhersehen, und auch nicht, dass es kälter geworden ist, statt wärmer.
Ich gehe über den Hof und schalte die Sicherungsanlage an.
Man weiß nie.

 
Nach einer weiteren halben Stunde sind sie wieder zurückgekommen, Sara und Lucca, endlich!
Das Zitroneneis hat geschmeckt wie früher, hat Lucca gesagt.
Ich bezweifele das, habe aber nichts gesagt.
Woher soll er das wissen?
Als es noch richtiges Eis gab, war er noch viel zu klein.







 

Mein Leben 2030

von Rahel, 5.1.2010
 
Nachdem wasserfallartiger Regen dem heißen Septemberwetter ein jähes Ende gesetzt hat, gehe ich spazieren. 
In den Wasserrinnen entlang der Kiezalleen gurgelt das Regenwasser, das, was der Boden nicht aufnehmen konnte - noch nicht alle Straßen wurden mit regendurchlässigem Belag versehen. Wie froh bin ich, dass das ausgeklügelte Bewässerungssystem die Nuss- und Obstbäume so gleichmäßig versorgen kann! Bei dem noch immer ständig sinkenden Grundwasserspiegel ist das ihre einzige Chance.
 
Ich entscheide mich, die unerwartet gewonnene Zeit doch zu "nutzen", wie man so schön sagt - seit 20 Jahren versuche ich mein Leben zu entschleunigen, aber in all den wechselnden Zeiten und trotz all der größer gewordenen äußeren Langsamkeit unseres gesellschaftlichen Lebens blieb und bleibe ich wohl ein getriebener Charakter. 
 
Ich leihe eines der Bambuslastenfahrräder an der Mobilitätsstelle und fahre zum Acker im Görli - dort warten schon seit Tagen Möhren, Kartoffeln und diverse Kräuter darauf, geerntet zu werden. Ich hab eh heut Küchendienst im Ratibor, da kann ich die Sachen gleich verwenden. 
 
Aus dem kommunalen Landwirtschaftsprojekt Reichenberger Kiez-Schorfheide haben wir am Wochenende mit vereinten Kräften ein ganzes Lager voll Obst und Gemüse hergeschafft - die Ernte war dieses Jahr zum Glück sehr reichlich - da sind doch glatt zwei der alten Bambuslastenräder auf dem Weg vom Bahnhof hierher aus dem Leim gegangen. Gut, dass es den ADFC-Pannendienst gibt, der hat gleich ein neues gebracht und eins von den Solarmobilen mit dem neuen Speichersystem. Die kommen nicht hinterher mit dem Lastenradbau - einfach eine zu hohe Nachfrage.
 
Den Solarkocher werden wir heut nicht benutzen können, so bedeckt wie es ist.  Hoffentlich gibt es wenigstens noch noch warmes Wasser  - es hatte ja keiner damit gerechnet, dass es so zuziehen würde, und die solarthermische Anlage damit auch noch außer Gefecht gesetzt würde. Die Wärmepumpe wird ja erst Ende Oktober repariert - die Wartezeit für die Kühlflüssigkeit beträgt im Moment wegen Rohstoffknappheit vier Monate! Und was das kostet! Wird Zeit, das wir auch dafür eine regionalere Lösung finden. 
 

 

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